Fragen des Offenen Briefes

Durch Klick auf die Frage gelangen Sie zu den jeweiligen Antworten:

Im folgenden Text sind die die jeweilige Frage betreffenden Passagen mit der entsprechenden Farbe hinterlegt um die Zuordnung zu erleichtern.

Antwort von Stadträtin Ulli Sima SPÖ Wien

Dieses Antwortschreiben wurde ebenso wortgleich gesendet von

Wolfgang Markytan, SPÖ Hernals, Klubvorsitzender

Ilse Pfeffer, SPÖ Hernals, Bezirksvorsteherin

Stefanie Vasold, SPÖ Josefstadt, Vorsitzende, Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete

Andreas Höferl, SPÖ WÄhring, Bezirksvorsitzender, Wiener Gemeinderat und Landtagsabgeordneter



Die Bedeutung des Postsportareals für die Stadt, den Bezirk und seine Bewohner*innen liegt auf der Hand. Aus diesem Grund ist hier auch ein breit abgestimmter Prozess vorgesehen und es wurde frühzeitig mit Informations- und Beteiligungsangeboten gestartet. Aufgrund der von Ihnen angeführten Punkte fürchte ich, dass hier teilweise Missverständnisse vorliegen, die ich mit diesem Schreiben gerne aufklären möchte. Zu Beginn ist jedenfalls festzuhalten: ob und in welchem Ausmaß grundsätzlich weitere Entwicklungen am Postsportareal denkbar sind, ist von mehreren Faktoren abhängig, die es vor Beginn einer ausführlichen städtebaulichen Auseinandersetzung zu klären gilt. Diese Abklärungen sind nach wie vor im Laufen und es liegen der Stadtplanung noch kein Konzept bzw. konkrete Pläne der Projektwerberin vor.

Klare Vorgaben durch die Stadtentwicklungskommission (STEK)

Wie öffentlich dargelegt, ist die Projektwerberin in der Vergangenheit betreffend die Zukunft des Postsportareals an die Stadt herangetreten. Dies war die Veranlassung für die Erarbeitung eines grundlegenden Rahmens, der von der STEK mit ihrem Beschluss vorgegeben wurde. Der klare Fokus liegt hierbei auf der Erhaltung und Revitalisierung der Sportnutzung. Darüber hinaus sind die attraktive Integration und Vernetzung des Areals mit der Umgebung sowie die Aufwertung bestehender und Schaffung neuer Grün-/Freiräume wesentliche Voraussetzungen für eine etwaige Entwicklung an dem Standort. Diese in der Stadtentwicklungskommission formulierten Zielsetzungen sind auch weiterhin aufrecht.
Die Rahmenbedingungen aus dem STEK-Beschluss und die durch übergeordnete Konzepte und Überlegungen beschränkenden Möglichkeiten wurden der Projektwerberin frühzeitig deutlich gemacht. Wenn sich erste Entwicklungsideen der Projektwerberin an diesen Vorgaben orientieren, ist dies ein Zeichen für die Wirkung der Vorgaben seitens der Stadt.

Erhalt und Revitalisierung der Sportnutzung als unbedingte Voraussetzung

Um den Erhalt und die Revitalisierung der Sportnutzung sicherzustellen, wurde im STEK-Beschluss festgehalten, dass eine positive Beurteilung nach Sportstättenschutzgesetz eine zwingende Voraussetzung für jegliche Art von über die bereits bestehenden Möglichkeiten hinausgehende Entwicklung darstellt. Dementsprechend muss sich die Projektwerberin vorab bei der Abteilung Sport Wien (MA 51) um eine entsprechende Überprüfung bemühen, bevor eine vertiefende städtebauliche Planungsphase begonnen werden kann.

Auch an dieser Stelle ist festzuhalten, dass eine positive Beurteilung nach Sportstättenschutzgesetz zwar eine Voraussetzung für eine etwaige Entwicklung, jedoch keine Aussagekraft für die städtebauliche Prüfung eines konkreten Vorhabens hat. Denn eine Prüfung nach Sportstättenschutzgesetz trifft lediglich Aussagen über die Vereinbarkeit einer Projektannahme mit den Zielen dieses Gesetzes. Im Rahmen einer städtebaulichen Planung fließen jedoch andere und deutlich weitreichendere Faktoren ein.


Ein im Jahr 2021 bei der Abteilung Sport Wien (MA 51) eingebrachter Antrag wurde vom Antragsteller wieder zurückgezogen. Über die neuerliche Einreichung bzw. deren Inhalte liegen der Stadtplanung keine Informationen vor.

Ein UVP-Feststellungsverfahren ersetzt keinen städtebaulichen Planungsprozess

Die Projektwerberin hat ein sogenanntes UVP-Feststellungsverfahren eingereicht, das zu dem Ergebnis gekommen ist, dass ein Vorhaben in der vorgelegten Form nicht UVP-pflichtig wäre. Die im Rahmen von solchen Verfahren durch Projektwerber*innen vorgelegten Zahlen und Annahmen dienen den zuständigen Stellen zur Einschätzung der Umweltauswirkungen eines Vorhabens. Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass ein Vorhaben auch so realisiert werden kann und es werden keine Aussagen über die städtebauliche Verträglichkeit eines Vorhabens getätigt. Die in dem Antrag von der Projektwerberin genannten Zahlen sind nämlich bislang nicht in Form eines ausgearbeiteten Konzepts der Stadtplanung vorgelegt worden und es ist daher bis dato auch keine entsprechende städtebauliche Prüfung erfolgt.

D. h. konkret: wenn in einem UVP-Feststellungsverfahren von rund 1.100 Wohnungen die Rede ist, kann nicht abgeleitet werden, dass auch tatsächlich so viele Wohnungen dort entstehen können bzw. entstehen werden. Solche Festlegungen erfolgen frühestens im Rahmen des städtebaulichen Planungsprozesses unter Berücksichtigung weitreichender Faktoren wie auch der Vorgaben der STEK und begleitet von entsprechenden Beteiligungsangeboten.


Beteiligung von Anrainer*innen & relevanten Akteur*innen von Beginn an

Das Postsportareal ist für die Stadt, den Bezirk und die Wiener*innen von besonderem Interesse. Aus diesem Grund wurde auch im Februar 2020 bereits frühzeitig und noch lange bevor konkrete Pläne vorliegen ein begleitender Beteiligungsprozess gestartet. Im Rahmen einer ersten Veranstaltung wurden die von der Stadtentwicklungskommission beschlossenen Vorgaben präsentiert und die Anliegen und Bedürfnissen der Teilnehmer*innen aufgenommen. Eine umfassende Dokumentation der Veranstaltung wurde auf der Website der Stadt Wien veröffentlicht (https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/postsportplatz.html). Darüber hinaus wurde ein eigens für das Postsportareal eingerichteter Newsletter etabliert, um möglichst zielgerichtet die Interessierten über aktuelle Entwicklungen informieren zu können. Zuletzt fand am 7. Dezember 2021 eine – coronabedingt online abgehaltene – Infostunde statt, in der die Ergebnisse der bisherigen Bestandsaufnahme und Voruntersuchungen präsentiert wurden.

Wie geht es weiter?

Es wird erwartet, dass die Projektwerberin nach Abschluss der Prüfung gemäß Sportstättenschutzgesetz ihre konkreten Entwicklungsvorstellungen den für Stadtplanung zuständigen Fachabteilungen vorlegen wird. Der nächste Planungsschritt wäre dann der Eintritt in einen Verständigungsprozess, in dem es zu klären gilt, ob eine planerische Annäherung zwischen den Vorstellungen der Projektwerberin und der Stadt möglich ist. Gelingt ein Verständigungsprozess, ist mit geeigneten Mitteln eine qualitätsvolle Entwicklung sicherzustellen.

Wichtig festzuhalten ist, dass sich bislang nichts an der Haltung der Stadt geändert hat. Die Vorgaben aus dem Beschluss der Stadtentwicklungskommission gelten unverändert wie auch die übergeordneten Konzepte der Stadt Wien. Eine positive Beurteilung nach Sportstättenschutzgesetz bleibt zwingende Voraussetzung für das Eintreten in einen städtebaulichen Prozess, welcher wiederum durch entsprechende Informations- und Beteiligungsangebote begleitet werden wird.

In diesem Sinne freuen wir uns, nach erfolgreichen Verständigungsschritten wieder Einladungen zu einem weiterführenden Planungsprozess aussprechen zu können und damit verbunden auf einen konstruktiven Austausch zur Zukunft des Postsportareals.